Von
Mario Szpuszta
8. January 2010 13:19
Cloud-Computing und damit auch die Microsoft-Cloud-Plattform stellen einen Paradigmawechsel dar, der die klassische Welt um neue Möglichkeiten ergänzt (und keineswegs ersetzt)! Die Entscheidung, auf die Cloud zu setzen, ist daher primär vom geschäftlichen Nutzen und Vorteil und nur sekundär technologisch getrieben.
In diesem kurzen Teil unseres Tutorials zeigen wir einige potentiellen Vorteile und Nachteile bei der Nutzung von Cloud-Computing auf. Im nächsten Teil diskutieren wir dann einige Szenarien, die Ihnen dabei helfen, für sich selbst ähnliche Überlegungen anzustellen.
Mögliche Vorteile einer Cloud-Plattform wie der Windows Azure Plattform
- Skalierbarkeit
Auf einer Plattform wie Windows Azure steht nahezu "unendliche" Skalierbarkeit zur Verfügung - wenn man sich diese leisten kann.
- Ausfallssicherheit
Eine Cloud-Plattform bietet Funktionalität an, um auf verschiedene Ebenen eine enorm hohe Ausfallssicherheit zu garantieren.
- Auslagerung der Wartung
Sprechen wir von einem Software-as-a-Service oder Platform-as-a-Service Angebot, so muss sich Ihre IT-Mannschaft in keinster Weise um die Wartung der Server und der Betriebsinfrastruktur kümmern, wenn Ihre Anwendung in der Cloud betrieben wird.
- Verrechnung ausschließlich auf Basis tatsächlich genutzter Ressourcen
Bei allen Cloud-Plattformen und Angeboten wird ausschließlich auf Basis tatsächlich konsumierter und verwendeter Ressourcen verrechnet. Ausfallssichere und vor allem skalierbare Systeme können damit wesentlich kosteneffizienter realisiert werden da z.B. neue Infrastruktur nur dann aktiviert wird, wenn sie auch wirklich benötigt wird (siehe nächster Punkt).
- Elastic Infrastructure
Dies ist einer der größten Vorteile einer Cloud-Plattform. Unter einer elastischen Infrastruktur versteht man die Möglichkeit, konsumierte Ressourcen dynamisch an die aktuell benötigte Leistung anpassen zu können. D.h. also, wenn sie mehr Last erwarten, können sie die Cloud-Plattform durch (dynamische oder statische) Konfiguration dazu veranlassen, zusätzliche Infrastruktur in Betrieb zu nehmen. Wenn sie weniger Last erwarten, können sie genauso das Gegenteil veranlassen. Verrechnet wird dabei natürlich immer nur das, was sie tatsächlich konsumiert haben. Bei Windows Azure selbst ist damit eine tatsächliche, dynamische Verteilung, Inbetriebnahme und Außerbetriebnahme von virtuellen Maschinen enstprechend Ihrer Service-Konfiguration zu verstehen. Verrechnet wird dabei immer nur das, was man tatsächlich benötigt.
Mögliche Nachteile einer Cloud-Plattform wie etwa Windows Azure
- Weniger Kontrolle über die Systeme
Handelt es sich um SaaS- oder PaaS-Angebote, so definiert die Cloud-Plattform genau, welche Kontrolle sie über die zugrundeliegenden Systeme haben. Bei einem SaaS-Angebot wird Ihnen nur die Anwendung selbst (z.B. ein CRM-System wie Salesforce oder Microsoft CRM Online) angeboten und sie haben überhaupt keinen Einfluss auf zugrundeliegende Systeme (Hardware oder Software). Bei einem PaaS-Angebot wie Windows Azure können sie aktive Maschinen für ihren Betrieb eingeschränkt konfigurieren wie etwa die Anzahl der benötigten Maschinen oder etwa Einstellungen und Zertifikate die für Ihre auf Azure betriebene Anwendung benötigt werden. Sie haben allerdings keinerlei Kontrolle darüber, was auf den virtuellen Instazen neben diesen Einstellungen und Ihrer Anwendung noch läuft oder nicht läuft. Die Verfügbaren Möglichkeiten sind exakt definiert und können nicht geändert werden.
- Durch die Plattform definierte Einschränkungen
Als Platform-as-a-Service Angebot definiert Windows Azure genau die Möglichkeiten, die Ihre Anwendung auf der in Microsoft-Datacenter betriebenen Infrastruktur haben. Sie haben damit aus Ihrer Anwendung heraus nicht die Möglichkeit, auf die volle Funktionalität des Betriebssystems zurückzugreifen. So sind in Windows Azure beispielsweise Anwendungsrollen vordefiniert, für die virtuelle Instanzen in Microsoft-Datacentern für sie verteilt werden, die für bestimmte Aufgaben gedacht sind: auf sogenannten Web Roles können sie daher nur Web-Anwendungen und Web-Services betreiben. Auf Worker-Roles nur Berechnungsaufgaben, die im Hintergrund ablaufen.
- Integration mit existierenden Systemen
Haben sie existierende Systeme in ihrem Unternehmen oder Datacenter, so kann die Integration zwischen eben diesen Systemen und in der Cloud betriebenen Systemen eine Herausforderung werden. Die Windows Azure Plattform bietet zwar mit der AppFabric sehr gute Möglichkeiten, On-Premise-Systeme (also bei Ihnen betriebene Systeme) und Cloud-Systeme zu integrieren, jenachdem, auf welcher Seite Sie sich befinden kann diese allerdings mehr oder weniger helfen. Haben sie sowohl das On-Premise System als auch das Cloud-System unter Ihrer Kontrolle, können sie AppFabric (oder andere Mittel wie Web-Services) nutzen, um eine Intgration auf sichere Art und Weise vorzunehmen. Kontrollieren Sie das Cloud-System, können Sie mit AppFabric, Web-Services & Co entsprechende Schnittstellen anbieten. Sind sie auf der On-Premise-Seite daheim, so müssen sie sicherstellen, dass eine Cloud-Anwendung, die sie verwenden möchten, auch entsprechende Integrationsschnittstellen anbietet, wenn sie diese benötigen!
- Datenschutz, Regulation und Gesetzeslage
Dies ist definitiv die wichtigste und schwierigste Frage! So gibt es gerade in Österreich Daten, die das Land nicht verlassen dürfen. Genauso gibt es aber Daten, die außerhalb des Landes gehalten werden dürfen, für die allerdings passende datenschutzrechltiche Bestimmungen sichergestellt werden müssen. Für derartige Szenarien ist Cloud-Computing definitiv verwendbar, wenn die Cloud-Plattform eine Möglichkeit anbietet, zu definieren, in welchen Ländern Daten in der Cloud-Plattform gehalten werden. Bei Windows Azure ist dies mit den Data Center in Amsterdam und in Irland (Verfügbar im Kalenderjahr 2010) aus europäischer und österreichischer Sicht definitiv der Fall, da dort europäisches Datenschutzrecht Gültigkeit hat. Für andere Fälle (ala Internet-Sites wie Facebook) spielt es dann wiederum überhaupt keine Rolle, wo die Daten liegen. Ein Nachsatz noch: denkt man an Mischformen zwischen Cloud- und On-Premise-Lösungen, so müssen Daten ja keinesfalls in der Cloud liegen. Man kann auch reine Rechenleistung und Integrations-Infrastrukur der Cloud-Plattform nutzen oder Daten nur teilweise und anonymisiert in die Cloud legen.
Jenachdem, ob Sie nun Produkthersteller sind oder als Unternehmen eine Lösung nutzen wollen, stellen sich diese Vor- und Nachteile unterschiedlich dar. Darüberhinaus ist diese Auflistung lediglich als Ideengeber zu verstehen und keineswegs Vollständig. Je nach Situation ergeben sich eventuell noch weitere Vor- und Nachteile. Die Aufstellung sollte Ihnen auf jedenfall helfen, einige Denkansätze für Ihre Entscheidung im Bezug auf ide Cloud zu finden!
Weitere und detailliertere Informationen finden Sie in David Chappell's "Guide for for Decision Makers" auf der Windows Azure Homepage. Dieser Guide spezialisiert sich auf Produkthersteller, da dies kommerziell als ein Kernfokusgebiet von Windows Azure betrachtet wird.
Liebe Grüße