Cloud Computing Tutorial - Warum Cloud Computing - Was bringts (Teil 2)

Von Mario Szpuszta Autor Feed 8. January 2010 16:02

Im letzten Teil des Tutorials haben wir kurz einige Vor- und Nachteile von Cloud-Computing diskutiert. Die Entscheidung auf die Cloud zu setzen oder nicht ist überwiegend eine geschäftliche Entscheidung und hängt davon ab, ob man auf dieser Ebene Vorteile aus einem Betrieb seiner Anwendung in der Cloud ziehen kann oder nicht bzw. ob es Gründe gibt, die daran hindern, mit seiner Lösung in die Cloud zu gehen.

Mit diesem zweiten Teil führen wir ihnen die Vor- und Nachteile anhand von Beispielen, die durchaus auch für den österreichischen Markt realistisch sind, vor Augen. Sie finden hier sowohl Beispiele, für die Cloud-Computing sinnvoll ist und Beispiele, für die Cloud-Computing weniger sinnvoll wäre. Diese Ideen können sie für ihre eigenen Überlegungen heranziehen

Beispiel 1 - Ticket Service für den Verkauf von Tickets, Eintrittskarten und Konzertkarten

Wir alle kennen bekannte Unternehmen in diesem Umfeld, die Tickets für Konzertkarten, Veranstaltungen und dergleichen online anbieten und verkaufen. Für derartige Unternehmen sind folgende kriterien typischerweise zutreffend:

  • Im Normalbetrieb ist keine umfassende und große Infrastruktur aufgrund eingeschränkter Last erforderlich. Mit einer geringeren Anzahl an Servern kann der Betrieb locker aufrecht erhalten werden.
  • Eine extreme Last für das System kommt selten vor - wenn etwa eine weltbekannte Band einen Auftritt in Österreich plant, so ist vorhersehbar, dass mit dem Start des Ticketverkaufs für dieses Konzert die Last für kurze Zeit enorm ansteigen wird - nämlich solange, bis die Tickets ausverkauft sind, was innerhalb von ein paar Tagen oder oft mals Stunden erledigt ist.
  • Derartige extreme Lastspitzen sind aufgrund der Termine wie Verkaufsstart, Auflagen der Tickets sehr gut abschätzbar und vorhersehbar.

Im klassischen Ansatz müsste man dafür die eigene Infrastruktur auf die maximale Last ausrichten. Das bedeutet, dass man für die Kosten und den Aufwand dauerhaft für die Maximallast rechnen muss (finanziell und ressourcen-technisch) obwohl diese vielleicht 2-3 mal pro Jahr zutrifft. Man verliert also über einen langen Zeitraum unnötig Geld und Zeit.

Ein Cloud-Computing-Ansatz auf z.B. Windows Azure würde hierbei wie folgt aussehen: für den Normalbetrieb konfiguriert man seine Anwendung auf Windows Azure mit einer geringeren Anzahl an Anwendungsinstanzen (z.B. 3-4) und zahlt daher auch nur für diese geringe Anzahl die Compute-Hour und den Datentransfer. Kurz vor Beginn eines Ticket-Verkaufs erhöht die Firma die Anzahl der Anwendungsinstanzen (auf z.B. 15-20) und nachdem alle Tickets verkauft sind (z.B. 3 Tage später) reduziert die Firma die Anzahl der Instanzen wieder.

Bei einem teilweise Cloud-Computing-Ansatz (also eine Mischform aus klassischem und Cloud-Ansatz) könnten Daten und die Server für die Normallast im eigenen Rechenzentrum betrieben werden. Die Cloud mit Windows Azure kommt ausschließlich für die Spitzenzeiten als Zusatzinfrastruktur mit zusätzlichen Instanzen seiner eigenen Anwendung ins Spiel um die Spitzenlasten abzufedern. Sobald die Spitzenzeiten vorbei sind, werden sämtliche Anwendungsinstanzen wieder von Azure entfernt und es wird wieder nur die eigene Infrastruktur verwendet.

Beispiel 2 - Komplettlösung für Cocktail-Bars und Kaffees als neues Startup-Unternehmen

Die hier angesprochene Lösung stellt ein Komplettpaket für Cocktail-Bars und Kaffees und ähnliche Betriebe dar. Für die Betriebe bietet die Lösung ein System für Tisch-Reservierungen, Reservierungen für private Gesellschaften (z.B. Geburtstagsfeier) sowie die Möglichkeit der Repräsentation der Bar im Internet. Parallel bietet die Lösung potentiellen Barbesuchern die Möglichkeit, Bars und Kaffees zu suchen, sich anzusehen und Reservierungen vorzunehmen.

Als Betreiber der Lösung gehen wir davon aus, dass Bars und Restaurants für die angebotenen Leistungen der Onlineplattform ein kostenpflichtiges Abonnement konsumieren während Endkunden nichts kostenlosen Zugang zur Plattform erhalten. Parallel könnte der Betreiber über die dem Endkunden präsentierten Seiten über Werbung weitere Verdienstmöglichkeiten ausschöpfen. Folgende kriterien lassen sich für derartige Lösungen ableiten:

  • Die Lösung muss ausfallssicher sein, denn wenn die Plattform ausfällt, entsteht sofortiger Verdienstengang da über die Plattform unmittelbar Geld verdient wird.
  • Ähnlich wie bei sozialen Netzwerken wird die Last zu Beginn des Betriebs geringer sein. Sobald allerdings der Bekanntheitsgrad steigt, wird auch die Last ansteigen und damit wird zusätzliche Infrastruktur benötigt werden.
  • Die Plattform wird gerade zu Wochenenden, während der Feiertagssaison oder im Rahmen von größeren Veranstaltungen höher belastet werden. Die Wochenendlast wird höher aber nicht ganz so hoch ausfallen, dafür regelmäßig gegeben sein während für die anderen Fälle mit höherer Last zu rechnen ist, diese allerdings weniger häufig auftreten.

Im klassischen Ansatz mit dem Betrieb eigener Infrastruktur würde man seine Infrastruktur wohl am ehesten auf Wochenenden ausrichtenn. D.h. man geht von der mittleren Last aus und müsste im Vorfeld Investitionen für diese komplett tätigen (Hardware, Software, Wartungspersonal etc.). Die großen Nachteile liegen darin, dass einerseits Investitionen am Beginn zu einem Zeitpunkt getätigt werden müssen, zu welchem man noch nicht abschätzen kann, ob und wie gut die Plattform von Kunden angenommen wird. Andererseits muss man als Startup aufgrund eingeschränkter Mittel zu Beginn den Kompromiss eingehen, sich nicht auf eine Maximallast ausrichten zu können (zu hohe Anschaffungskosten). Damit geht man das Risiko ein, zur Feiertagssaison oder im Rahmen von Veranstaltungen Verzögerungen für Kunden aufgrund von Überlastung in Kauf nehmen zu müssen.

Mit einem Cloud-Computing-basierten Ansatz würde man zu Beginn überhaupt keine Anschaffungen vornehmen und die gesamte Infrastruktur auf einem Service wie Windows Azure betreiben. In diesem Falle wäre es sinnvoll, mit so wenig Anwendungsinstanzen wie möglich auf Azure zu starten - man benötigt 2 Instanzen um ausfallssicher zu sein. Wächst die Plattform und damit auch das Einkommen, kann man schrittweise neue Instanzen zuschalten. Die Kosten sind kalkulierbar und überschaubar. Zur Feiertagssaison oder bei großen Veranstaltungen kann man kurzfristig entsprechend mehr Instanzen seiner Anwendung auf Azure betreiben, die man nach Ablauf der Veranstaltung wieder entfernt um kosten zu sparen.

Beispiel 3 - Eine Photographie-Firma mit ihrem Internet-Auftritt

Als abschließendes Beispiel möchten wir noch eine Photographie-Firma heranziehen, deren Hauptgeschäft in der Erstellung, Nachbearbeitung und im Verkauf von Photos liegt. Diese Firma plant ausschließlich ihren Internet-Auftritt sowie ein einfaches Bestell-System als Anwendung im Web. Hierfür gelten typischerweise folgende Kriterien:

  • Ausfallssicherheit ist zwar nett, allerdings weniger wichtig da das Kerngeschäft in der Photographie und nicht in der Online-Plattform liegt.
  • Skalierbarkeit ist sekundär da die Last auf die Internetpräsenz relativ gering ist bzw. die Belastung der Web-Server aufgrund reiner Lieferung von einfachen Inhalten (dynamisch und statisch) liegt.

In diesem Falle können wir die Diskussion kurz gestalten: der Betrieb einer einzelnen Windows Azure Anwendungsinstanz rund um die Uhr kommt in etwa auf €70-€100,- pro Monat. Diese Berechnung kann man sehr leicht mit dem Windows Azure TCO-Calculator anstellen - klicken Sie hier um diese zu starten.

Unter dieser Voraussetzung kann man ebenso mit einem Angebot eines günstigen Hosters für Root-Server (durchschnittlich aktuell zwischeh € 50,- - € 80,-) oder Virtual-Server (die man noch günstiger, ab etwa € 20,- bis € 30,- bekommt) losstarten und hat gleichzeitig die volle Kontrolle über die Maschine mit der Möglichkeit, den Server auch noch anderswertig zu verwenden. Zumal ist bei vielen Anbietern hier die Bandbreite oft unlimitiert (das sollte man sich dann genau ansehen).

Abschließende Bemerkungen:

Diese drei Beispiele sollten ihnen einen guten Überblick über mögliche Denkansätze um selbst eine Entscheidung für oder gegen Cloud-Computing zu treffen. Wie alle drei Beispiele zeigen, steht die Technologie im Hintergrund - die Entscheidungen sind meist auf geschäftlicher Ebene zu treffen. Dabei sind oft folgende Grundsätze (als Auszug) von zentraler Bedeutung:

  • Wie wichtig ist Ausfallssicherheit und Skalierbarkeit für ihre Lösung?
  • Gibt es datenschutzrechtliche / gesetzliche Einschränkungen?
  • Können Sie von der Elastizität der Cloud-Plattform profitieren?
    • Sind Kosteneinsparungen durch gezieltes Pay-Per-Use möglich?
    • Ist mehr Geschäft durch schrittweise Erweiterung des Kundenstamms möglich?
    • Bietet Ihnen eine Web-Lösung die Möglichkeit, massiv mehr Kunden zu erreichen?
  • Erleichtert Ihnen die Cloud-Plattform den Einstieg wegen geringerer Investments zu Beginn?
  • Wie einfach ist die Integration in bestehende Lösungen falls notwendig?

Dies ist nur ein Auszug an Fragen, der ihnen aber eine Idee geben sollte, in welche Richtung sie denken können, um festzustellen, ob Cloud-Computing für sie relevant und nützlich ist oder nicht.

Fest steht, dass dieses Paradigma neue Möglichkeiten anbietet, die zuvor in dieser Form noch nicht gegeben waren. Möglichkeiten, die einerseits eine Optimierung bestehender Geschäftsmodelle aber andererseits auch komplett neue Geschäftsmodelle und Anwendungsformen wesentlich einfacher zulässt.

Liebe Grüße

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