Visual Studio Online – die Cloud auch für Entwickler

Von Berndt+Hamb%c3%b6ck+(Gastblogger) Autor Feed 19. August 2014 14:25

Einleitung

Möglicherweise habt ihr schon den Microsoft Team Foundation Server (TFS) in einem eurer Projekte eingesetzt. Vielleicht nur als reines Source Code Verwaltungstool, oder ihr habt auch mehr davon verwendet, z. B. die Prozessvorlagen für die agile Softwareentwicklung, oder Scrum. Vermutlich habt ihr damit auch Work Items zugewiesen, Bug Tracking verwendet und Builds automatisiert.

Diesen TFS habt ihr vermutlich in einem Windows Server in eurem (Firmen-)Netzwerk installiert. Das Entwicklungsteam verwendet Visual Studio, um sich an den TFS anzuhängen. Das bedeutet, dass die Hardware angeschafft, das Server OS lizenziert und installiert werden musste (bzw. eine VM zur Verfügung gestellt wurde) und jemand eine bestimmte Version des TFS installiert hat. Kurz gesagt, es fallen Kosten an: für die Hardware, die Software und die Wartung des (eigenen) Systems (z. B. Updates des Server OS bzw. des TFS müssen selbst eingespielt werden).

Falls ihr den TFS überhaupt noch nicht in Verwendung hattet, so ist möglicherweise ein anderes Source Code Verwaltungstool, wie z. B. Git, Tortoise, oder Jira im Einsatz. Alle aufgezählten Varianten haben Vorteile, aber auch verschiedene Nachteile.

In einem meiner Entwicklungsteams haben wir eine Menge Source Code und Zeit verloren, da das Infrastruktur-Team geschlampt hat. Wie? Nun ja, trotz mehrmaliger Rückfragen meinerseits, ob es ein funktionierendes Backup unseres Servers gibt, war im Ernstfall leider keines vorhanden. Obwohl diese Anfrage zuvor mehrmals positiv beantwortet worden war…..

Nun…ja….seither verlasse ich mich äußerst ungerne auf Infrastruktur-Teams und sehe mich gerne nach alternativen Lösungen zu dem In-House Hosting unseres Source-Codes um.

Als erste Variante gibt es natürlich den gehosteten TFS. Mehr Informationen findet Ihr z. B. hier:

http://www.discountasp.net/tfs/

Ihr entscheidet euch für eine Version des TFS (2010, 2012, oder 2013) und für die Basic (Source Control und Work Item Tracking), oder die Full Variante (Basic features und mit Sharepoint und Reporting).

Diese Variante hat bestimmt ihren Reiz, ich möchte euch aber eine weitere Möglichkeit erläutern: Visual Studio Online (VS Online).

VS Online – Allgemein

Wieder ein neues Produkt werdet Ihr euch jetzt möglicherweise denken, das ist aber so nicht ganz korrekt. Mit beiden Produkten könnt ihr:

· Euren Source Code in verschiedenen Versionen verwalten
· Work Items verwalten
· Bugs tracken
· Backlogs verwalten

Also im Großen und Ganzen all das, was ein gutes Application Lifecycle Management (ALM) Produkt können sollte.

Wie man anhand dieser Auflistung sehen kann, sind die Core-Funktionalitäten von TFS und VS Online gleich. Eigentlich ist es das selbe Produkt, allerdings mit unterschiedlichen Versionssprüngen und der zugehörigen Updates (VS Online hieß früher auch Team Foundation Service). TFS wird in eigenständigen Versionen ausgeliefert, aktuell 2013, davor 2012 und 2010. Dies kennt ihr z. B. von Visual Studio selbst, oder auch vom SQLServer, oder Office her. Immer, wenn ein neues Release am Markt ist, entscheidet ihr euch diese zu installieren und eure bestehende Software upzugraden (oder eben auch nicht).

VS Online kennt diesen Produktzyklus in dieser Form nicht. Es gibt keine Version 2013, 2012, oder 2010, stattdessen wird VS Online automatisch auf den neuesten Stand gebracht. Schön und gut, aber wer macht dann die Updates? VS Online steht „in der Cloud“ zur Verfügung. Microsoft’s Cloud Lösung heißt Azure und bietet mittlerweile eine Menge an Diensten, einer davon ist eben VS Online.

VS Online – Features

Es gibt zwei verschiedene Varianten von VS Online: Basic und Professional. Gemeinsam ist den beiden, dass keine eigene Infrastruktur, wie z. B. ein eigener Server zur Verfügung gestellt werden muss. Der Source Code liegt in der Cloud und ist von überall – von berechtigten Personen – abrufbar (ohne lästiger VPN Clients auf den Entwickler-Notebooks). Sehen wir uns einmal die beiden Versionen an.

Ich möchte euch zuerst die Features vorstellen, die mich überzeugt haben, mit meinem Entwicklungsteam auf VS Online umzusteigen.

Jeder VS Online Zugang verfügt über

. fünf kostenlose Benutzer (weitere Benutzer sind dann allerdings kostenpflichtig),
· eine unbegrenzte Anzahl von Projekten (im Team, oder „privat“ – also für einen Entwickler),
· gehostete Code-Repositories mit der Team Foundation-Versionskontrolle oder Git in unbegrenzter Größe.

Somit ist sichergestellt, dass auf den Source Code von allen Entwicklern immer und überall zugegriffen werden kann und so jederzeit Source Code eingecheckt werden kann. Sowohl mit einer unbegrenzten Anzahl von Projekten als auch einer unbegrenzten Größe dieser Projekte!

Weitere Vorteile der gebotenen Features für die gemeinsame Entwicklung innerhalb des Teams:

· Über sogenannte Teamräume wird jeder Entwickler über den aktuellen Projektstand informiert.
· Aufgliedern und Planen komplexer Projekte erfolgt mittels der agilen Portfolioverwaltung:

o Erfassen von Product-Backlogs.
o Definition und Verfolgung von Sprints.
o Zuweisen und Tracken von Work-Items.
o Einholen und Nachverfolgen von Feedback für Projektbeteiligte (mit dem Microsoft Feedback Client).

· Erstellen von Testplänen und Test Cases.
· Integriertes Bug-Tracking.
· Verwenden der Auslastungstests (bis zu 15.000 virtuelle Benutzerminuten pro Monat).

Des Weiteren inkludiert VS Online eine Version von Visual Studio Express für das Web, Windows oder Windows Desktop, aber als eingefleischte Entwickler habt ihr vermutlich schon eine der höherwertigeren Desktop Varianten der Visual Studio Editionen installiert. VS Online funktioniert allerdings auch mit Eclipse oder XCode, ist also nicht an Visual Studio gebunden.

All diese aufgezählten Punkte sind bereits in der VS Online – Basic Version enthalten und stehen zur freien Nutzung bereit. Solltet ihr euch mehr Features punkto Projektplanung wünschen, dann solltet ihr einen Blick auf die VS Online Advanced Variante legen, diese kostet allerdings $60,-- pro Benutzer im Monat. Eine VS Online Professional Variante ist ebenfalls erhältlich, diese umfasst ein monatliches Abonnement für die Visual Studio Professional IDE und schlägt mit $ 45,-- zu Buche.

Aber zu Beginn sollte die VS Online Basic Variante durchaus ausreichen, möglicherweise benötigt Ihr mehr Benutzer, dann kostet jeder weitere Benutzer (über die inkludierten 5 hinaus) $ 20,-- im Monat.

Kommen wir aber nun zur Anwendung von VS Online und legen ein Beispielprojekt an und checken auch gleich einmal (vorhandenen) Source Code ein.

Dazu sind folgende Schritte notwendig:

· Anlegen des VS Online Kontos.
· Anlegen eines neuen Projektes.
· Einchecken des lokalen Source Codes.

Drei kleine Schritte, mal sehen, ob es wirklich so einfach ist. In circa 10 Minuten könnt ihr selbst darüber urteilen……legen wir also los, die Zeit läuft!

VS Online – Anwendung

Das VO Online - Konto

Zur Verwendung von VS Online wird ein VS Online-Konto benötigt. Das klappt schnell und problemlos mit dem Browser und folgendem Link: http://go.microsoft.com/fwlink/?LinkId=307137&clcid=0x407

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Nach erfolgreicher Anmeldung ist euer Konto jederzeit unter folgender Adresse im Browser erreichbar: .visualstudio.com">.visualstudio.com">.visualstudio.com">http://<kontoname>.visualstudio.com

Eine zweite Variante steht euch auch noch über das Azure Managementportal zur Verfügung: http://manage.windowsazure.com bzw. https://portal.azure.com/

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Wie auch immer ihr euren VS Online Zugang anlegt, auf jeden Fall seid ihr nun glücklicher Besitzer eines VS Online Zugangs.

Nach erfolgreicher Anmeldung werdet ihr aufgefordert, ein neues Projekt anzulegen. Sehr gut, denn das ist es ja auch, was wir im nächsten Schritt machen wollen. Das ist allerdings nur beim ersten Mal so, nächstes Mal befindet ihr euch im VS Online DashBoard, wo ihr die Zusammenfassung eures Accounts einsehen könnt.

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Anlegen eines neuen Projektes

Ich habe in letzter Zeit an einigen mobilen Projekten mit Xamarin in Visual Studio gearbeitet und eines dieser Projekte würde ich gerne zu VS Online deployen, um damit die die Source Code Verwaltung durchzuführen. Das bedeutet also, dass ich lokal bereits ein Projekt habe, in VS Online existiert dieses aber noch nicht – es muss also angelegt werden, danach dieses VS Online Projekt mit meinem lokalen Verzeichnis verbunden werden, dann kann der Source Code eingecheckt werden. Das klappt natürlich auch umgekehrt, also zuerst das VS Online Projekt erstellen, danach erst in das Codieren einsteigen. Wie auch immer, das VS Online Projekt muss angelegt werden.

Falls ihr gerade euer VS Online Konto erstellt habt, dann seid ihr schon auf der richtigen Eingabemaske. So legt nun ein neues Projekt an, der „New“-Button lädt gerade dazu ein, gedrückt zu werden.

Auf jeden Fall müssen nun ein paar Angaben zu dem Projekt gemacht werden:

  1. Der Name des Projektes ist einzutragen,
  2. optional kann dazu eine Beschreibung erfasst werden.
  3. Als Scrum Master kommt mir das „Microsoft Visual Studio Scrum 2013.3“ Template gerade recht (andere Optionen sind: MSF for Agile Software Development 2013.3 und MSF for CMMI Process Improvement 2013.3).
  4. Als Versions-Kontrolle setze ich auf die „Team Foundation Version Control“, da ich damit jahrelange (gute)Erfahrungen habe, die andere Option wäre Git - SVN wird leider nicht unterstützt.

Wie bereits erwähnt, habe ich das Projekt auf meinem lokalen Rechner, ich habe es also einfach mit den einzugebenden Werten (jaja, wie lange grübelt man normalerweise am Projektnamen…) wie man nachfolgend sehen kann:

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Mit dem „Create Project“ Button ist dieser Schritt auch schon so gut wie abgeschlossen. Den Rest der Arbeit erledigt VS Online, welches das Projekt und den zugehörigen Team Room anlegt und zur Verfügung stellt, wo ihr euch später mit den anderen Teammitgliedern über das Projekt austauschen könnt..

Mit „Navigate to project“ gelangen wir zur Detailansicht, bzw. öffnet sich diese von selbst, wenn ihr das erste Mal ein Projekt angelegt habt.

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Hier ist natürlich noch nicht allzu viel zu sehen, als sehr hilfreich wird sich gleich die rechte obere Ecke erweisen, wenn wir zum nächsten Schritt gelangen.

Mappen und Einchecken des lokalen Source Codes

Bevor Ihr den VS Online Account mit eurem lokalen Projekt verbinden könnt, überlegt bitte noch einmal kurz, ob eure lokale Visual Studio 2013 Installation mit eurem Microsoft Account verbunden ist – gegebenenfalls kontrolliert das bitte, bzw. führt die Anmeldung – rechts oben - im Visual Studio 2013 durch.

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Wenn ihr schon dabei seid, könnt Ihr noch in Visual Studio 2013 kontrollieren, ob Ihr Team Foundation Server als momentanes Source Control plug-in verwendet. Dazu einfach das Menü Tools -> Options und Source Control aufrufen und gegebenenfalls die ComboBox anpassen.

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Nun ist es an der Zeit den VS Online Account mit einem (lokalen) Projekt zu verbinden. Dazu verwendet man am einfachsten den ‚Open in Visual Studio‘ Button im rechten oberen Bereich.

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Sobald dieser gedrückt wird und ihr die Abfrage bestätigt, dass eine lokale Applikation geöffnet werden soll (ich empfehle euch die kleine CheckBox anzuklicken, damit diese Meldung in Zukunft nicht mehr gezeigt wird), öffnet sich auf dem lokalen Rechner Visual Studio 2013. Angezeigt wird der Team Explorer, der darauf wartet, dass das VS Online Projekt mit einem lokalen Projekt gemapped wird.

Dazu führt ihr folgende Schritte durch (in den Bildern unten der Reihe nach dargestellt):

  • Drücken des Links bei der Meldung “configure your workspace”
  • Jetzt muss das VS Online Projekt ($/Azure Informer) auf das lokale Verzeichnis gemappt werden, bei mir liegt der Source Code unter „C:\Development\Mobile\AzureInformer“.
  • Nachdem der “Map & Get” Button gedrückt wurde, ist VS Online mit dem lokalen Projekt verbunden.

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Nachdem diese Schritte erledigt wurden, kann das Projekt unter Source Code-Verwaltung gestellt werden. Spätestens jetzt solltet ihr euer Projekt in Visual Studio 2013 öffnen. Einchecken ist nun keine große Sache mehr, das gelingt mit der rechten Maustaste an eurer Solution im Solution Explorer und der Auswahl von „Add Solution to Source Control…“. Das gleiche Spielchen noch einmal, allerdings wird nun „Check In…“ angewählt.

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Die Ansicht wechselt wieder auf den „Team Explorer“, jetzt noch schnell ein Kommentar für das Einchecken des Source Codes eingeben, den Check-In Button drücken und der Source Code ist in guten Händen, immer und überall für mein Team und mich erreichbar.

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Geschafft, der Source Code ist bei VS Online hinterlegt. Die nächsten Schritte wären nun, weitere Team Mitglieder einzutragen, danach Work Items zu erfassen und an das Team zu verteilen. Die faszinierende Reise mit VS Online kann für mein Team und mich beginnen!

Zusammenfassung

Ich durfte in meinem Arbeitsleben bisher 3 Entwicklungsteams leiten und ich hätte mir jedes Mal die unproblematische Möglichkeit der Kollaboration innerhalb des Teams, sowie die jederzeitige Verfügbarkeit des Source Codes von jedem Ort der Welt gewünscht. VS Online macht es möglich eine unlimitierte Anzahl von Projekten mit unlimitierter Größe zu verwalten. Für Entwicklerteams mit bis zu 5 Leuten ohne jeglicher Kosten. Microsoft ist hier wieder ein hervorragendes Stück Software gelungen, einfach verpackt, ready to use for everyone!


Berndt Hamböck ist seit 2007 MCT, darüber hinaus befasst er sich mit Lösungen für komplexe Anwendungsszenarien mit den neuesten Microsoft Technologien. Die Erfahrungen aus der Projektarbeit gibt er in Vorträgen und Trainings weiter und begleitet Entwicklerteams in Softwareunternehmen bei Projekten im Microsoft Umfeld.

„Das ist ein Gastbeitrag. Die Meinung des Autors muss sich nicht mit jener von Microsoft decken. Durch den Artikel ergeben sich keinerlei Handlungsempfehlungen. Microsoft übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Angaben.“

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